Grüne Jugend 2007
Sozialer Abstieg
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0325
Datum: 16. April 2012
Arbeitslosengeld statt Hartz IV
Zu den Meldungen, dass immer mehr Arbeitslose direkt in die Grundsicherung fallen, erklärt Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik:
Die Hürden in der Arbeitslosenversicherung müssen deutlich abgesenkt werden, denn immer mehr Beschäftigte bekommen bei einem Jobverlust kein Arbeitslosengeld mehr, sondern fallen direkt in die Grundsicherung. Insbesondere viele Leiharbeitskräfte und befristet Beschäftigte zahlen zwar Beiträge in die Arbeitslosenversicherung ein, erhalten aber bei Arbeitslosigkeit daraus häufig keinen einzigen Cent.
Wir fordern, dass sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Zukunft schon nach vier Monaten Einzahlung ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld erwerben. Das ist unbürokratisch, schafft Beitragsgerechtigkeit und schützt die Betroffenen beim Verlust des Arbeitsplatzes wirksam vor dem Abstieg in die Grundsicherung.
Nur mit einer grundsätzlichen Neuregelung der Arbeitslosenversicherung kann eine bessere Qualität der sozialen Absicherung von flexibel Beschäftigten erreicht werden. Die jetzt von Union und FDP angekündigte Nachjustierung der Sonderregelung wird die Probleme nicht lösen.
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Generation Praktikum
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0387
Datum: 4. Mai 2011
DGB-Studie: Faire statt prekäre Praktika garantieren
Zur DGB-Studie "Generation Praktikum 2011" erklärt Kai Gehring, Sprecher für Hochschulpolitik:
Die Befragung bestätigt erneut, dass die junge Generation unter dem Deckmantel Praktikum noch immer von vielen Arbeitgebern als prekäre Arbeitskräfte ausgenutzt wird.
Es ist ein Unding, wenn 40 Prozent der Praktika komplett unbezahlt sind, aber 75 Prozent der Praktikanten vollwertige Arbeit leisten oder im Betriebsablauf fest eingeplant sind. Dass mehr als Dreiviertel der Absolvierenden nach ihrem Studienabschluss auf Unterstützung durch ihre Eltern oder den Sozialstaat angewiesen sind, ist ein inakzeptabler Missstand. Hinzu kommt, dass die Hoffnung vieler Absolvierender durch ihr Praktikum eine Festanstellung zu bekommen, sich nur für magere 17 Prozent erfüllt. Wir brauchen endlich Praktika zu fairen Bedingungen, die Chancen auf einen guten Berufseinstieg statt prekärer Warteschleifen eröffnen.
Die Bundesregierung zaudert seit Jahren, überfällige klare Regelungen zum Schutz von Praktikanten vor Ausnutzung einzuführen. Bestehende Schutzlücken müssen endlich geschlossen werden, um für alle faire Praktika-Bedingungen zu garantieren.
Es muss unter anderem gesetzlich geregelt werden, dass Praktika Lernverhältnisse sind. Jeder Praktikant soll Anspruch auf einen schriftlichen Vertrag, ein Zeugnis und eine Mindestaufwands- entschädigung von 300 Euro pro Monat innehaben. Auch die Dauer von Praktika ist zu begrenzen, damit keine regulären Jobs gefährdet oder ersetzt werden. Mit diesen Maßnahmen lässt sich das Risiko minimieren, dass Praktika sozialversicherte Beschäftigung ersetzen und ihre Chance als wichtiges Lernverhältnis für junge Menschen erhöhen.
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Leiharbeit weiter auf dem Vormarsch

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Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0044
Datum: 20. Januar 2012
Leiharbeit: Für eine gesetzliche Equal-Pay-Regelung
Zu der gestiegenen Zahl der Leiharbeitskräfte erklärt Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für Arbeitnehmerrechte:
Der Rekordzuwachs in der Leiharbeit schadet mehr als er nutzt. Mit der steigenden Zahl an Leiharbeitskräften nehmen auch die prekär Beschäftigten weiter zu. Niedrige Löhne und ein Übermaß an Flexibilität sind die Folgen, die immer mehr Menschen abverlangt werden. Das Leben vieler Leiharbeitskräfte bleibt unkalkulierbar, da sie Manövriermasse ihres Arbeitgebers sind und wenig Sicherheit haben. Das ist ungerecht und muss geändert werden.
Wir fordern, dass die Bundesagentur für Arbeit endlich die Vermittlung in Leiharbeit beendet und dafür den direkten Weg in den Arbeitsmarkt wählt. Vor allem ist wenig davon zu halten, dass die Bundesregierung die Verantwortung in die Hände der Tarifpartner legt und sich davor drückt, eine gesetzliche Equal Pay-Regelung zu schaffen. Dies schwächt die Gewerkschaften. In vielen Branchen wird dadurch der Verhandlungsspielraum für Lohnerhöhungen geringer, wenn Gewerkschaften darum kämpfen müssen, dass Leiharbeitskräfte von den Firmen übernommen werden.
Niedriglöhne und Lohnabschlüsse unterhalb des verteilungsneutralen Spielraums schaden den Menschen in Deutschland und Europa. Die Bundesregierung muss mit gutem Beispiel voran gehen und alles dafür tun, dass die Löhne, insbesondere in exportorientierten Branchen, steigen. Steigende Löhne würden den Binnenkonsum stärken, die Ungleichgewichte abbauen und damit für mehr makroökonomische Stabilität in Europa sorgen.
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Hartz-IV-Sätze

Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0760
Datum: 5. September 2011
ALG-II-Regelsatz: DGB-Gutachten bestätigen Grüne Skepsis
Zu den beiden Gutachten zur mutmaßlichen Verfassungswidrigkeit des ALG-II-Regelsatzes erklärt Markus Kurth, Sprecher für Sozialpolitik:
Die beiden DGB-Gutachten bestätigen unsere verfassungsrechtlichen Bedenken gegenüber der aktuellen Berechnung der Regelsätze. Die ALG-II-Leistungen sind auch nach der geplanten Anpassung zum 1. Januar des kommenden Jahres nicht ausreichend. Insbesondere eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist kaum möglich: Ob Strom, Monatskarte oder Internet, überall müssen Hilfeempfänger draufzahlen.
Wir verweigerten dem neuen Regelsatz im Bundesrat und Bundestag die Zustimmung. Zu rigoros wurde an mehreren Stellschrauben gedreht, um den Betrag künstlich herunter zu rechnen. Nun gilt es, das verfassungsrechtlich Gebotene auch haushaltspolitisch darzustellen.
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Hartz IV-Aufstocker

Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0949
Aufstocker: Statt Steuergelder für Lohndumping - Mindestlöhne für Geringverdiener
Zu den Zahlen des Bundesarbeitsministe- riums über die Ausgaben für Aufstocker erklärt Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik:
Die steigenden Ausgaben für immer mehr Beschäftigte, die ihren Lohn mit Arbeitslosengeld II aufstocken müssen, sind ein erschreckendes Armutszeugnis für Deutschland. Skrupellose Unternehmer zahlen Hungerlöhne und nutzen die Zahlung eines staatlichen Ersatzgehalts zur Steigerung ihres Gewinns. Das ist unsozial und unmoralisch. Die Subvention der Lohnkosten der Wirtschaft aus Steuergeldern muss beendet werden.
Wenn Arbeitsministerin von der Leyen die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes verweigert und lediglich die Zuverdienstmöglich- keiten ändert, wird die Zahl der Niedriglöhner und Aufstocker weiter steigen. Die Politik von Union und FDP macht immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu Bittstellern.
Die neuen Aufstocker-Zahlen zeigen, dass ein Anti-Armutsprogramm für den Arbeitsmarkt überfällig ist. Grundlage dafür ist ein gesetzlicher Mindestlohn. Dazu gehören die gezielte Entlastung kleiner Einkommen bei den Sozialabgaben sowie eine Kindergrundsicherung und eine Aufwertung des Wohngeldes.
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(Foto: pixelio, Mathias Balzer)
Arbeitsmarkt
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0316
Datum: 10. April 2012
Regierung macht kapitale Fehler bei der Arbeitsmarktpolitik
Zur Debatte um eine Senkung der Lohnnebenkosten und bessere Fachkräftesicherung erklärt Kerstin Andreae, stellvertretende Fraktionsvorsitzende:
Die Belastungen mit Sozialabgaben liegen in Deutschland weit über dem Durchschnitt. Wir stimmen der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zu: Sie wirken wie eine Strafsteuer auf Arbeit. Darum setzen wir uns für grundlegende Reformen ein. Wir wollen die Finanzierung der Sozialversicherung von den Arbeitskosten entkoppeln und eine Bürgerversicherung bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit einführen, langfristig auch zur Altersvorsorge. Hohe Sozialbeiträge belasten besonders Beschäftigte mit niedrigen Einkommen, deshalb streben wir niedrigere Beiträge insbesondere für Geringverdienende an. Hier spielen die Lohnnebenkosten eine erhebliche Rolle für mehr Beschäftigung.
Niedrige Lohnnebenkosten sind nur eine Seite der Medaille. Damit die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb stark bleibt, müssen wir den Fachkräftemangel bekämpfen, durch gezielte Qualifizierung und leichtere Zuwanderung für Hochqualifizierte. Die Regierung macht zwei entscheidende Fehler:
Allein 2013 werden der Bundesagentur 2 Milliarden Euro entzogen, die sie dringend für Qualifizierung und als Puffer für schlechtere Zeiten bräuchte. Jetzt gehen Arbeitnehmer und Unternehmen wieder höheren Beiträgen entgegen, sobald sich die Arbeitsmarktlage verschlechtert. Die Regierung hat sich trickreich bedient: Erst erhöhte sie die Mehrwertsteuer, um einen Bundeszuschuss zur BA zu finanzieren. Jetzt nimmt sie der BA den Zuschuss wieder weg, die Mehrwertsteuer bleibt aber hoch. Wir werden diese Pläne bei den Haushaltsberatungen ablehnen.
Zum anderen senkt die Regierung zwar die Mindesteinkommensgrenze für die Zuwanderung von Hochqualifizierten, schafft aber nebenbei klammheimlich die sofortige Niederlassungserlaubnis ab. Bei diesem halbherzigen Vorgehen wandern die kreativen Köpfe an Deutschland vorbei. Diese Politik hat bei Schwarz-Gelb System.
Schon die lange hinausgezögerte Arbeitsnehmerfreizügigkeit für die jungen EU-Mitgliedsstaaten hat dazu geführt, dass Hochqualifizierte einen großen Bogen um den deutschen Arbeitsmarkt gemacht haben. Im Standortwettbewerb um die besten Köpfe brauchen wir einen klaren Kurs für qualifizierte Zuwanderung – das müssen Union und FDP endlich begreifen.
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Rente für Selbsständige
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0048
Datum: 23. Januar 2012
Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung
Zum öffentlichen Fachgespräch der Grünen Bundestagsfraktion "Selbständige in die gesetzliche Rentenversicherung! Aber wie?" erklärt Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Sprecher für Rentenpolitik:
Bei dem heutigen Fachgespräch ist einmal mehr deutlich geworden, dass die Zeit drängt: Auch für Selbstständige muss dringend eine stabile soziale Sicherung im Alter geschaffen werden. Wir wollen langfristig alle Selbständigen in die gesetzliche Altersvorsorge einbeziehen. Nicht zuletzt die Finanzkrise hat gezeigt, dass private Vorsorge nicht sicher ist. Es kann sein, dass Menschen privat vorsorgen und trotzdem keine ausreichende Absicherung im Alter haben. Außerdem kann auch das Erwerbsminderungsrisiko letztlich nur durch die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert werden. Und: wer lange eingezahlt hat, soll durch eine Garantierente vor Altersarmut geschützt werden. Ohne Einbeziehung in die Rentenversicherung werden viele Selbständige in der Grundsicherung landen.
In einem ersten Schritt wollen wir in der gesetzlichen Rentenversicherung die zwei Millionen Selbstständigen berücksichtigen, die nach heutigem Recht überhaupt nicht verpflichtet sind vorzusorgen. Diese sind besonders von Altersarmut bedroht. Das liegt zum einen daran, dass es keine gesetzlichen Regelungen gibt, die für alle Selbstständigen einheitlich und verständlich die Vorsorge für das Alter regeln. Zum anderen zählen auch viele Selbstständige zu den Geringverdienenden: Ihr finanzieller Spielraum ist begrenzt und sie fühlen sich oft von den hohen Beitragsbelastungen für Selbstständige überfordert. Wir brauchen hier Lösungen sowohl für selbständige als auch für abhängig Beschäftigte mit geringen Einkommen. Langfristig streben wir auch in der Rente eine Bürgerversicherung an, in die alle einzahlen.
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Altersarmut
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0035
Datum: 19. Januar 2012
Umfassende Bekämpfung der Altersarmut statt Armutsbekämpfung für Auserwählte
Zum "Grünen Dialog Altersarmut" erklären Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Sprecher für Rentenpolitik, und Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Sprecherin für die Grundsicherung im Alter:
Altersarmut ist schon heute ein Problem, das künftig noch größer werden wird. Der von der Bundesregierung ausgerufene Regierungsdialog Rente greift viel zu kurz und nimmt sich der Lösung bestimmter Probleme gar nicht an. Deswegen haben wir einen "Grünen Dialog Altersarmut" initiiert. Unser Treffen mit Verbänden hat klar gezeigt, dass es erheblichen Nachbesserungsbedarf bei den Vorschlägen der Bundesregierung gibt. Die Zuschussrente hilft nur wenigen, und zwar nicht denjenigen, die am stärksten von Armut bedroht sind. Das ist Armutsbekämpfung für Auserwählte. Vollständig fehlen Themen wie Vereinsamung, schlechte Wohnsituation, mangelhafte medizinische Versorgung, Beschränkungen bei Ernährung Kleidung und Mobilität. Prävention taucht nicht mal als Stichwort auf.
Wir verfolgen dagegen einen umfassenden Ansatz zur Bekämpfung von Altersarmut. Der prognostizierte deutliche Anstieg der Altersarmut muss nachhaltig bekämpft werden. Dabei müssen präventive Maßnahmen zur besseren Absicherung in der Rentenversicherung im Lebensverlauf und nachgelagerte Maßnahmen in Form der Grünen Garantierente ineinander greifen. Neben diesen Maßnahmen brauchen wir einen multidimensionalen Ansatz mit Strategien für Prävention und der tatsächlichen Bekämpfung der Altersarmut für die besonders betroffenen Gruppen wie Frauen, Langzeitarbeitslose, Menschen mit niedrigen Einkommen, Soloselbständige, Migranten, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung.
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Minijobs und die sozialen Folgen
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0036
Datum: 19. Januar 2012
Bundesregierung darf Lohndumping durch Minijobs nicht ausweiten
Zu den heute von der Hans-Böckler-Stiftung vorgestellten Minijob-Studien erklärt Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik:
Minijobs und Niedriglöhne gehen Hand in Hand, weil skrupellose Unternehmen die Minijobs zum Lohndrücken nutzen und so staatlich subventionierte Zusatzgewinne einstreichen. Für die betroffenen Minijobber heißt das Armut trotz Arbeit, fehlende soziale Sicherheit, null berufliche Perspektive und dauerhafte Abhängigkeit vom Jobcenter. Das muss auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen endlich zur Kenntnis nehmen. Die von Schwarz-Gelb beabsichtigte Ausweitung von Minijobs und Niedriglöhnen muss gestoppt werden.
Die von CDU/CSU und FDP geplante Anhebung der Verdienstgrenze für Minijobber auf 450 Euro ignoriert die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Minijobs sind eine Niedriglohnfalle und keine Brücke in gute Arbeit. Die neuen Studien dokumentieren dies erneut und zeigen den Reformbedarf. Statt geringfügiger Beschäftigung müssen sozialversicherungspflichtige Jobs gefördert werden.
Zudem muss die CDU ihren frommen Mindestlohnsprüchen endlich gute Taten folgen lassen. Nur ein allgemeiner, gesetzlich geregelter Mindestlohn wird Lohndumping wirksam verhindern und den Niedriglohnsektor eindämmen. Alles andere ist Augenwischerei.
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Verteilungsgerechtigkeit
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 1083
Datum: 30. November 2011
Lohneinkommen verlieren – Kapitaleinkommen gewinnen
Zum Verteilungsbericht der Hans-Böckler-Stiftung erklärt Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für Arbeitnehmerrechte:
Der Trend zur Ungleichheit geht unverändert weiter. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer noch nicht ausreichend und gerecht am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Dieser Schluss muss aus dem aktuellen Verteilungsbericht der Hans-Böckler-Stiftung gezogen werden.
Selbst steigende Lohneinkommen im ersten Halbjahr 2011 haben nichts an der langfristigen Tendenz einer immer ungleicher werdenden Verteilung geändert. Insbesondere in den letzten Monaten sind atypische Beschäftigungsverhältnisse entstanden, bei denen wenig von den Lohnzuwächsen angekommen ist. Das ist nicht akzeptabel und muss korrigiert werden.
Die Bundesregierung muss mit Mindestlöhnen das Tarifvertragssystem politisch stützen und stärken. Ebenso sind Regulierungen auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere bei der Leiharbeit, notwendig. Ziel muss sein, dass auch atypische Beschäftigungsverhältnisse von Lohnzuwächsen profitieren. Schlussendlich muss die Bundesregierung auch Kapitaleinkommen stärker in die Finanzierung des Staates und der Sozialversicherungen einbeziehen und ihre Steuerpolitik korrigieren. Soziale Gerechtigkeit gibt es nicht zum Nulltarif und muss aktiv von den politischen Akteuren vorangetrieben werden.
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Zuschuss-Rente - wer bekommt was?
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0776
Datum: 7. September 2011
Von der Leyen hält die Altersarmutswelle nicht auf
Zu den Rentenreformvorschlägen der Bundesarbeitsministerin erklärt Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Sprecher für Rentenpolitik:
Die nun bekannt gewordenen Maßnahmen, die die Ministerin im Kampf gegen drohende Altersarmutswelle ergreifen will, verdienen die Bezeichnung "Reformen" nicht. Sie sind nichts weiter als kosmetische Korrekturen, die den Anschein erwecken sollen, es würde gehandelt wo doch in Wirklichkeit Problemlösungen weiter in die Zukunft verschoben werden. Dies ist eine gefährliche Strategie, denn die Zahlen belegen dass Altersarmut in Deutschland schon jetzt ansteigt. Ohne Gegenmaßnahmen wird sie in Zukunft massiv zunehmen. Obwohl die Ministerin zentrale Stellschrauben ausgemacht hat, gelingt es ihr nicht, diese Erkenntnis in wirksame Maßnahmen gegen Altersarmut umzusetzen.
Auf den ersten Blick ähnelt die in Aussicht gestellte "Zuschuss-Rente" der von uns vorgeschlagenen Garantierente. Bei genauem Hinsehen bleibt aber nicht viel davon übrig. Die Zuschuss-Rente ist zu eng gefasst. Nur wenige Menschen erfüllen die Voraussetzungen und die am stärksten von Altersarmut Betroffenen bleiben außen vor. Und in Zukunft werden immer weniger Menschen 40 oder gar 45 Versicherungsjahre erreichen.
Wir fordern deshalb die Einführung einer Garantierente, die sicherstellt, dass Menschen ab 30 Versicherungsjahren eine Rente über der Grundsicherung erhalten. Wichtig ist, dass eigene Rentenansprüche und Eigenvorsorge nicht voll auf die Garantierente angerechnet werden. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und der ökonomischen Vernunft. Bei den Vorschlägen der Regierung soll es aber keinen Unterschied geben, ob jemand 200, 500 oder 700 Euro eigene Ansprüche hat. Völlig absurd ist, dass zwar 35 Jahre eigene Vorsorge verlangt werden, diese aber bei der Aufstockung wieder zu 100 Prozent abgenommen werden.
Erwerbsminderung ist heute ein hohes Armutsrisiko. Die Verlängerung der Zurechnungszeiten ist deshalb richtig, wenn auch nicht ausreichend. Die Streckung dieser Verlängerung nimmt dem Vorschlag aber seine Wirkung. Der somit zu erwartende Mehrbetrag von durchschnittlich wenigen Euro pro Monat ist nicht anders zu bezeichnen als zynisch.
Darüber hinaus springt die Ministerin mit ihren Vorschlägen viel zu kurz, denn weitere Maßnahmen notwendig. So werden zum Beispiel Selbständige in Zukunft zunehmend von Altersarmut betroffen sein. Deswegen wollen wir, dass nicht abgesicherte Selbständige in die Rentenversicherung einbezogen werden. Das gleiche gilt für Mini-Jobs.
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Tarflöhne / Mindestlohn
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
NR. 0744
Datum: 30. August 2011
Niedriglohnsektor: Einbahnstraße in Armut
Zu den Ergebnissen der Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) und der Initiative neue Soziale Marktwirtschaft erklärt Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für Arbeitnehmerrechte:
Die Studie verdeckt die erheblichen sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Verdopplung des Niedriglohnsektors zwischen 1995 und 2007. Für die Mehrzahl der Beschäftigten sind gering entlohnte Jobs eine Einbahnstraße in die Armut. Der Grundsatz, dass jegliche Arbeit ihren Wert hat, geht immer mehr verloren. Das ist nicht gut für eine Gesellschaft und entspricht auch nicht unserem Verständnis von Solidarität und Gerechtigkeit.
Es mag sein, dass der Niedriglohnsektor für manche Menschen ein Sprungbrett in ein ordentliches und gut bezahltes Arbeitsverhältnis ist. Aber dennoch kann auch diese Studie nicht darüber hinweg täuschen, dass der Niedriglohnbereich seit einiger Zeit prozentual gleich hoch bleibt und zahlenmäßig sogar ansteigt. Es ist und bleibt nicht akzeptabel, dass mittlerweile jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland für einen zu niedrigen Lohn arbeitet und eine Million Menschen sogar für weniger als fünf Euro die Stunde.
Das Ausfransen des Lohnspektrums in Deutschland ist Realität und muss endlich durch Mindestlöhne sowie die Regulierung der Leiharbeit und des Einsatzes von Werkverträgen unterbunden werden. Ansonsten kommt dies die Gesellschaft teuer zu stehen, wenn immer mehr Menschen auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen sind und die Spaltung in der Gesellschaft größer wird.
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